Wo sind die Nutzer von Savedroid? Eine Bestandsaufnahme.

Der Name Savedroid könnte jedem ein Begriff sein, der sich schon etwas länger mit Kryptowährungen befasst. Einst mit einem ICO im Jahre 2018 knapp vier Milliarden Token verkauft und schätzungsweise einen Euro-Wert zwischen 35 und 40 Millionen eigenommen. Fiel das Start-Up, welches schon seit 2015 mit einer Spar-App am Markt ist, besonders mit ihrem legendären Fake-Exit-Scam auf.

Doch seitdem ist viel Zeit vergangen, daher ist nun der richtige Zeitpunkt um sich mit dem Projekt wiederholt zu befassen und den aktuellen Status anzuschauen. Dabei soll dieser Artikel so objektiv wie möglich sein. Jedoch sollte jeder seine eigenen Recherchen vornehmen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Dass sie Stimmung bei Savedroid nicht gut ist, wird recht schnell klar, sobald man den deutschen oder englischen Telegramchat betritt.
Dort beschweren sich Nutzer über mangelnden Support, überhöhte Gebühren und das Desinteresse des Managements an der App und dem dazugehörigen Token. Alles in allem, ist selbst in der eigenen Telegramgruppe, die Stimmung am Tiefpunkt.
Daher stellt man sich als Beobachter sie Frage.

Hat Savedroid noch eine Chance?

Selbst wenn die Stimmung bei den Tokenhaltern am Ende ist, wäre dies nicht weiter dramatisch, wenn die App von Nutzern aktiv verwendet wird, Gebühren eingenommen werden und dadurch auch aktiv Token verbrannt werden. Damit wären die Beschwerden in der Gruppe eher eine Anhäufung von unglücklichen Umständen. Daher wird im folgenden versucht zu ermitteln, wie aktiv die App verwendet wird.

Schlechte App, schlechter Support, schlechter Ruf

Ein guter Indikator, für die Lage eines Unternehmen, liefert die Gewinn- und Verlustrechnung.
Dass ein Start-Up, auch wenn dieses schon viele Jahre am Markt ist, nicht profitabel sein muss kann noch verständlich kommuniziert werden. Was jedoch sehr auffällt, Savedroid konnte im gesamten Jahr 2018 lediglich 65,42€ an Provisionserträgen einnehmen. Und dies sollen schließlich auch die Basis des Geschäftsmodell bilden.

Ausschnitt Erträge

Es ist klar, dass die App erst im laufe des Jahres 2018 eingeführt worden ist. Jedoch sind nur wenige Nutzer nötig, die die Anwendung, wenn auch nur zum Spaß, ausprobieren um die erzielten Einnahmen zu übertreffen. Leider liefert das Management, darauf keine konkrete Antwort. Hier jedoch einen Vergleich mit anderen Unternehmen zu ziehen, die Wachstum vor Gewinn stellen, wie Amazon, ist mehr als unangebracht. Denn dazu müsste Savedroid einen exzellenten Kundensupport anbieten und alle verfügbaren Mittel in Neukundengewinnung stecken. Das dies nicht geschieht wird auch daran deutlich, dass es Savedroid nicht schafft dem Wunsch, der Community, nachzukommen und Beispiele für aktive Werbung für Savedroid zu liefern.
All zu häufig wurde den Anhängern von den bald startenden oder schon im Hintergrund laufenden Marketingaktionen berichtet, viel anschauliches wurde dabei nie veröffentlicht. Dabei ist gerade Öffentlichkeitsarbeit und Marketing ein wichtiger Baustein um Kunden zu gewinne. Weshalb an dieser Stelle angeblich existierende Werbung vor dem interessierten Beobachter versteckt wird, ist kaum zu verstehen. Immer wieder scheitert das Team an der Kommunikation nach außen.

Nach häufigem Bitten der Community wurde mit großen Worten ein AMA angekündet, wofür Fragen eingereicht werden konnten. Das darauf folgende AMA erwies sich als eine Luftnummer. Es fand keine Interaktion mit dem Publikum statt, kritische Fragen wurden nicht beantwortet und das gesagte lässt sich unter simples Eigenmarketing ablegen. Auch dies zeigt, in Verbindung mit dem getragenen T-Shirt, auf Wünsche und Vorschläge der Community möchte man lieber nicht eingehen.

Ein weiter Kritikpunkt ist der nur gelegentlich stattfindende „burn“ von Token. In der Theorie werden die in der App anfallenden Gebühren in Token gezahlt, die Savedroid vom Markt zurückkauft und anschließend vernichtet. Man könnte davon ausgehen, dass dies in einem FinTech-Unternehmen automatisch geht, doch sieht das, was auf der Adresse zu sehen ist, eher danach aus, als würde die manuell geschehen. In der Welt von Smart-Contracts schon fast unvorstellbar.

Ein Blick auf die Burnadresse zeigt, wie viel tatsächlich verbrannt worden ist. (Diese ist aus dem offiziellen Telegramchannel entnommen)
https://ethplorer.io/address/0xf74f444f313ef0b6adc9d1b49251576fefdd4b42#pageSize=100

Wer sich die Mühe macht und die verbrannten Token im November zusammenzählt stellt schnell fest, im gesamten Monat wurden nicht einmal Gebühren in Höhe von 5$ verbrannt. Auf das kaum vorhandene Handelsvolumen auf den öffentlichen Börsen und dass sich keiner für den Token interessiert wird an dieser Stelle nicht eingegangen.

Ein weiteres Indiz, dass die App keine Nutzer aufweist, bietet das veranstaltete Gewinnspiel zum Blackfriday.
Dabei hätten aktive Nutzer der Sparapp relativ einfach einen 50€ Gutschein abgreifen können. Denn auch Paypal ist aktuell die einzige Möglichkeit, mit der die Anwendung gefüttert werden kann.

https://twitter.com/savedroidHQ/status/1199684477771014144

Wer sich die Mühe macht sieht schnell, dass eine Teilnahme an der Aktion, sehr begrenzt stattgefunden hat. So haben lediglich 17 Personen den Tweet retweetet. Dabei können viele der Konten direkt mit Savedroid in verbinden gebraucht werden, nicht nur, dass diese den Namen Savedroid in der Beschreibung oder Titel tragen, sondern es fällt auf, dass diese Konten jeden Tweet von Savedroid retweeten.
Weiterhin sammelte der Post lediglich 5 Kommentare, davon sind lediglich 2 direkt mit der Aktion in Verbindung zu bringen. Und das obwohl die Aktion mehrmals in den verschiedenen Kanälen von Savedroid verbreitet wurde und die App extra eine Pushbenachrichtigung an die Nutzer sendete.

Weshalb die App so häufig mit Problemen zu kämpfen hat, ist unverständlich. Bevor Savedroid die App 2018 startete, war das Unternehmen schon länger mit einer ähnlichen Anwendung auf dem Markt. Auch dort werden Kleinstbeträge durch zuvor definierte Sparbeträge angesammelt. Somit ist die Kryptowährungsapp nichts anderes als eine alte App in einem neuen Gewand.
Weiterhin wird, von Nutzern die aktiv die Anwendung benutzen, von überhöhten Gebühren gesprochen, die alles andere als transparent Kommuniziert werden.
So zahlt der Kunde für das Auszahlen von angespartem Kapital 10€ Bearbeitungsgebühr zuzüglich zu weiteren 3% Wechselgebühr. Dazu kommen nochmals 10% abhängig davon, zu welchem Kurs die Kryptowährungen bezahlt wurden. Auch nach einer intensiven Recherche konnte niemand gefunden werden, der von Kursschwankungen bei Savedroid profitiert hat.
Soweit wäre dies nicht weiter schlimm, würde ein Nutzer fest damit rechnen können. In der Realität liegt die tatsächliche Auszahlung dramatisch unter der Erwartung. Nutzer, die sich damit nicht zufrieden geben, sollen sich an den E-Mail-Support wenden und warten vergeblich auf eine befriedigende Antwort.
Ein detaillierter Beleg über getätigte Transaktionen (Kauf- und Verkaufskurs), wie es für eine ordentliche Steuererklärung, beim Handel mit Kryptowährungen nötig wäre, bleibt Savedroid seinen Nutzern schuldig.

Jedoch wird einem Betrachter der Eindruck vermittelt, das Team hinter Savedroid beschäftigt sich wohl lieber mit anderen Dingen, anstatt den Fokus auf die Anwendung, den Support und die Nutzer zu legen. So wurde mit Arbeitsleistung eine neue Aktiengesellschaft die Advanced Bitcoin Technologies AG gegründet, in welche Savedroid überführt worden ist und ein neuer Bitcointauschdienst eingeführt, dessen Tauschpreis weit unter dem Marktpreis liegt und somit deutlich mehr Gebühren als die Konkurrenz verlangt.

Alles in allem sieht es sehr chaotisch bei Savedroid aus, es sieht danach aus, dass sich die Nutzerzahl in Grenzen hält und jene, die die App verwenden sind mit Unstimmigkeiten und Problemen konfrontiert. Und dabei ist, der Verweis auf andere ICO’s, die aktuell auch wenig liefern, keine Entschuldigung für eine schlechte Leistung. Zu all dem kommen auch noch die Klagen, die aktuell gegen Savedroid laufen.

Eine zuvor gesendete Anfrage an Savedroid und die Möglichkeit sich zu den Kritikpunkte zu äußern wurde zwar von Herrn Hankir beantwortet, auf die konkreten Punkte der Kritik wurde dabei nicht eingegangen. Zwar werden Marketing-Aktivitäten ausgebaut, die das Nutzerwachstum beschleunigen sollen, Beispiele wurden aber nicht genannt. Das Nutzerfeedback wird aufgenommen, verarbeitet und ist ein Bestandteil der Produktentwicklung. Dabei liegt der Fokus aber auf jenen Entwicklungen, die das Produkt als gesamtes nach vorne bringen.

Schade, dass auch diese Chance zur genaueren Aufklärung nicht wahrgenommen wurde.

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